D.A.Y. // CONNECT

Erinnert ihr euch noch an unsere Events im Frühling 2016?

Da gab es zum Beispiel die Luminale und unsere audiovisuelle Performance in der Matthäuskirche Frankfurt. Neben elektroakustischer Musik im Surround-Gewand und ausgestellten Kunstwerken wurde das Publikum mit kleinen schicken Taschenlampen ausgestattet. Der Raum war verdunkelt und ganz im Sinne des Luminale sorgten die Besucher durch Anstrahlen der (reflektierenden) Kunstwerke für tolle Muster an den Kircheninnenwänden.
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Mehr moderne Technik haben wir dann im Rahmen von “Max Gaertner & The Future Art Performance Group @ Musikmesse-Festival” im Atelier Frankfurt aufgefahren: Mit Apps zur Musikproduktion startete das Konzert und die Performer entwickelten gemeinsam mit Besuchern quasi auf dem Weg zur Bühne elektronische Ambient-Strukturen, die als Grundlage für die erste Stücke dienten.

Last but not least in unserer Trilogie des künstlerischen Rezipienten stand die Performance Happy Sounds. Passend zur Ausstellung “The Happy Show” im Museum Angewandte Kunst machten wir uns auf die Suche nach dem Glück in der Musik und integrierten das Publikum gleich mehrfach. Zum einen in der Vorbereitungszeit: Eine Online-Umfrage brachte hervor, was genau die Menschen auf der ganzen Welt eigentlich allgemein mit Glück verbinden. Diese Ergebnisse wurden ausgewertet und daraus ein abwechslungsreiches musikalisches Programm geformt. Da aber nicht nur Kuratieren, sondern auch das Musizieren selbst erwiesenermaßen glücklich macht, bedienten wir uns der Form des “Sound Painting”, um die Gäste zu integrieren. Eine Collage aus Klänge, Geräuschen und Gesängen erfüllte das Museum und konnten als “Glück to go” auch gleich mit nach Hause genommen werden. Übrigens: Ein interessantes Interview mit der Glücksforscherin Ursula Cyriax im Vorhinein der Performance gibt es hier zum Nachlesen.

Nachdem wir nun schon mehrfach die bereichernde Wirkung des Integration des Publikums in künstlerische Live-Prozesse erfahren haben, hat es uns umso mehr gefreut, dass nun auch die Neue Musik-Spezialisten des Ensemble Modern ein solches Experiment wagen. CONNECT – THE AUDIENCE AS ARTIST, eine Initiative der Art Mentor Foundation Lucerne, realisiert gleich an verschiedenen Orten weltweit derartige Projekte. Neben dem Frankfurter Ensemble Modern werden auch noch die London Sinfonietta, Asko Schönberg sowie das Remix Ensemble entsprechende Konzerte veranstalten. Begleitet wird das Projekt vom Max Planck Institut für empirische Ästhetik. Im Rahmen von CONNECT wird es auch in Frankfurt vorbereitenden Workshops geben, in denen das interessierte Publikum – ähm der interessierte Künstler, sorry – mit Ensemblemitgliedern und Komponisten für die Performance am 30.Oktober. Wir sind gespannt und wünschen allen Teilnehmern viel Freude! 🙂

WER MEHR WEIß, HÖRT BESSER // D.A.Y. SOMMER 2016

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“Wer mehr weiß, hört besser.”, so schreibt die Musikjournalistin Victoriah Szirmai in ihrem Artikel “Zeit zum Hören – Ein Plädoyer für einen langsamen Musikjournalismus”In Zeiten der automatischen Kaufempfehlungen konstatiert sie, dass die Rolle des Musikkritikers sowie dessen Expertise so wichtig wie nie zuvor sei. Wer rezensiert, der muss sich interessieren – Eine intensive Auseinandersetzung mit Kunst und Musik, nicht nur über die kurzen Vorschau-Snippets bei iTunes, sondern auch über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus, ist essenziell für den Prozess der Meinungsbildung.

Wir kennen das alle. Klar, die Vorschau-Option kann hilfreich sein und angesichts unseres chronischen Zeitmangels in jeder Lebenslage ist ein 30Sekunden-News-Feed auf dem Smartphone manchmal die einzige Möglichkeit, sich über die Dinge zu informieren, die in der Welt so passieren. Spätestens aber seit Streaming-Diensten wie Netflix & Co. und die damit einhergehende inflationäre Produktion von Auftragsfilmen und -serien, um die stetig steigende Nachfrage zu stillen, hat sich den meisten sicher wenigstens ab und zu mal ein Gedanke aufgedrängt: Dokumentationsfilme, die zwar 45 Minuten lang sind, aber inhaltlich auf einem 30Sekunden-Snippet basieren … existieren wirklich. Die Entwicklung in diesem Beispielfall ist also

viel Wissen in umfangreicher Dosis –> Zeitmangel: stichwortartige Inhalte in Kurzform zusammengefasst –> Kurzform als Wissensgrundlage wird zu langem Vermittlungsfilm

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Wir verkleinern also aus zunächst praktischen Gründen, unser Detailwissen und vergessen es im Schatten der bequemen Wissensvermittlung dann vollständig. Auf neuer Grundlage mangelhafter Information wird nun die Zukunft der modernen Gesellschaft gebaut und diese wird zu umfangreichen Werken ausformuliert. Dass dabei notgedrungen wichtige Details verloren gehen und wir Opfer unserer eigenen Vereinfachung werden, können wir so nicht akzeptieren.

“Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit” heißt es in Frank Berzbach’s Buch Die Kunst ein kreatives Leben zu führen und um die Kunst mit Freiheit zu verknüpfen bedarf es tatsächlich mehr als einfach nur den automatisch generierten Geschmacksempfehlungen am Rand einer Website nachzugehen. Wir müssen möglichst intensiv konsumieren, eintauchen in die Welt der Künstler und anschließend mit offenen Augen zurückkehren, um uns ein eigenes Bild zu machen, das frei von Fremdbestimmung ist. Jospeh Beuys geht sogar so weit, den künstlerischen Prozess als Freiheitswissenschaft zu bezeichnen. In Sprechen über Deutschland prophezeit er sogar einen 3. Weltkrieg, “wenn wir keinen neuen Anfang machen bei der Freiheitswissenschaft, in der ‘Jeder Mensch ist ein Künstler‘ gilt, bei dem Sich-selbst-sein und bei dem Insistieren auf dem Souverän, der in jedem Mensch steckt.”

“Jeder Mensch ist ein Künstler” – eine These, die ZuKUNfST aus der Seele spricht. Obgleich Beuys betont, dass dieser Satz nicht bedeutet, in jedem Menschen stecke etwa ein guter Maler, finden wir, dass durchaus kreatives Künstlerpotenzial in jedem von uns schlummert.

Wenn also jeder Mensch ein Künstler ist und wenn intensive Beschäftigung mit Kunst dazu führt, sich eine differenzierte Meinung über das aktuelle Kunstgeschehen bilden zu können (was laut Berzbach durch den damit einhergehenden kreativen Prozess zu geistiger Freiheit führt), ist es also dringend an der Zeit raus zu gehen (oder vielleicht auch drin zu bleiben) und Kunst zu machen. Sei es ein Bild, eine Skulptur, Installation, eine kleine Performance auf dem Balkon oder in der Einkaufspassage, Musik oder etwas Anderes. Es kann Sekunden, Minuten oder Stunden dauern und wir tauchen ein in eine ganz eigene Welt voller Kreativität und Kunst.

Das klingt gut, finden wir.

ZuKUNfST ruft deshalb eine summer school der besonderen Art auf den Plan:

D.A.Y.Do Art Yourself

In regelmäßigen Tutorials wollen wir DIY-Kunsterfahrung in den eigenen vier Wänden fördern. Kleine Installationen, musikalische Experimente oder Performance-Konzepte dienen dem Einstieg in bestimmte Kunstbereiche. Weiterführende Links liefern Hintergrundinformationen, Veranstaltungstipps und vieles mehr. Das wird sicher ein Spaß!

Wir freuen uns auf einen spannenden D.A.Y.-Sommer 🙂

Genius

 

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Musikalischer Crossover – Starke Kombi aus Tradition und Innovation

Geige, Bratsche und Cello sind Streichinstrumente, die man in einem klassischen Orchester nicht missen möchte und auch Perkussionsinstrumente wie Trommeln, Pauken, Xylophon, Marimba, Glockenspiel oder Gong ordnet man spontan eher traditionellen bis konventionellen Musikformen zu. Dass das nicht unbedingt dem Status Quo entspricht, beweisen heutzutage immer mehr zeitgenössische Musiker. Continue reading

ZuKUNfST – Mehr als ein lustiges Wortspiel

Seltsame Wortneuschöpfungen, kuriose Begrifflichkeiten und klangvolle Kunstnamen fliegen uns neuerdings aus allen Richtungen des Start-Up-Kosmos entgegen. Das Baby braucht einen Namen; und der muss heute kreativ, „catchy“und cool sein. Bestimmt fragt sich der ein oder andere auch, was ZuKUNfST eigentlich ist und was wir da so alles machen. Auf jeden Fall werde ich regelmäßig mit Fragen dieser Art konfrontiert und das ist mehr als verständlich. Darum folgt hier der Erklärungsversuch: Continue reading

Die Kunst des Hörens – Sinnlicher Genuss durch audiovisuelle Performances

Vergangene Woche fand in Frankfurt die Luminale statt – ein sechstägiges Festival der Lichtkunst. An sämtlichen Orten der Stadt stieß man auf großformatige Licht-Installationen, hell bestrahlte Gebäude und bunte Leuchtschriften. Daneben gab es aber auch Veranstaltungen, die nicht nur auf die Wirkung des Lichts setzten, sondern mit effektvollen Live-Performances die besondere Verbindung von Visualität, Bewegung und Akustik in den Fokus rückten.  Continue reading

The Identity Switch – Heute bin ich so, morgen bin ich anders.

In einer zunehmend komplexeren Welt, die sich aus hybriden Wirklichkeiten, multiplen Kulturformen und inszenierten Selbstdarstellungen konstituiert, verliert man schnell den Sinn dafür, wer man geworden ist, als man werden wollte, wie sonst niemand ist. Für die Zukunft brauchen wir Lösungswege, die die Kunst längst gefunden hat. Continue reading